Januar 2005


Die Wirtschaft der Volksrepublik China expandiert seit über zwei Jahrzehnten mit jährlichen Wachstumsraten von rund sieben Prozent. Wenn eine Volkswirtschaft von kontinentalem Ausmaß und einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen in einem solchen Tempo wächst, ist die Bereitstellung ungeheurer Mengen von Rohstoffen die notwendigste Voraussetzung. Insbesondere die Energiefrage könnte sich als Engpaß auf Chinas steilem Wachstumspfad erweisen, weshalb die Führung in Peking der langfristigen Sicherung der Energieversorgung höchste Priorität beimißt. Dabei kommt China notgedrungen dem US-amerikanischen Hegemon zunehmend in die Quere.

Die imperiale Doktrin der US-Administration verfügt längst über ihre eigene Logik, aber sie hat bei weitem noch nicht ihren Zenit erreicht. Wer glaubt, die von George Bush in Aussicht gestellten Militärschläge gegen Iran könnten mit Blick auf den Irak als Entlastung gedacht sein, täuscht sich. Bush arbeitet mit pedantischer Inbrunst die nach dem 11. September 2001 erfundene “Achse des Bösen” ab – die Systematik ist unstrittig. Es begann mit dem Krieg gegen Afghanistan Ende 2001, als dank des dortigen islamistischen Taliban-Regimes eine Verbindung zu den Terror-Anschlägen auf New York plausibel schien. Danach war im Sinne der erstrebten Neuordnung des Mittleren Ostens der Irak als regionaler Machtfaktor auszuschalten. Dass dieser “Schurkenstaat” von einem Diktator wie Saddam Hussein regiert wurde, traf sich gut: Die “Inkarnation des Bösen” auf der “Achse des Bösen”, das verlangte nach der prompten Befreiungstat. Es bleibt Iran – für die USA eine ideologische wie strategische Herausforderung seit dem Sturz des Schah-Regimes 1979. Die Arbeit im Irak wäre nur halb getan, bliebe Iran verschont.

Diesen Januar berichtete der renommierte Investigativ-Journalist Seymour Hersh im Magazin New Yorker über US-Pläne für einen Angriff auf den Iran. Ein hoher Ex-Geheimdienstoffizieller hatte zu Hersh gesagt: »Dies ist ein Krieg gegen den Terrorismus, und der Irak nur eine Kampagne. Die Bush-Administration sieht das alles als riesen Kriegszone. Als Nächstes werden wir die Iran-Kampagne erleben. Wir haben den Krieg erklärt, und der Feind sind die bösen Jungs – wo immer sie auch sein mögen. Es ist das letzte Hurra – wir haben (nur noch) vier Jahre. Was wir wollen, ist am Ende sagen können, wir haben den Krieg gegen den Terror gewonnen« (Seymor M. Hersh: »The coming wars«, The New Yorker vom 17. Januar 2005). Und Hersh fügt hinzu: »In meinen Interviews wurde mir immer wieder gesagt, das nächste strategische Ziel sei der Iran«.