August 2005


Am Dienstag schrillten in der Echokammer unserer nationalen Medien die Alarmglocken. Die großen amerikanischen Nachrichtenorgane bewiesen, dass sie ihre Lektion gelernt haben. Die Nuklearaktivitäten des Iran stellten eine Gefahr dar, sagten sie – vor allem, weil dies ein paar hochgestellte Herrschaften in Washington so behaupten. Da störte es auch wenig, dass am selben Morgen in der Washington Post Folgendes zu lesen war: “Laut einer maßgeblichen Einschätzung des US-Geheimdienstes braucht der Iran noch rund ein Jahrzehnt, um den wichtigsten Stoff zum Bau einer Atombombe herzustellen. Frühere Einschätzungen waren von 5 Jahren ausgegangen. Dieser Zeitrahmen wurde grob verdoppelt, so verlauten Regierungsquellen, die die neue Analyse aus erster Hand kennen. Die sorgfältig verhehlten Einschätzungen – innerhalb der US-Geheimdienste unumstritten – stehen im Widerspruch zu den kraftvollen öffentlichen Äußerungen des Weißen Hauses“.

Das EU-Trio aus Vertretern Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands hat der Regierung in Teheran am Freitag seine Vorschläge für die Lösung des Streits um das iranische Atomprogramm übergeben. Das ist zwei Tage früher, als nach den letzten Ankündigungen zu erwarten war, aber später, als die europäischen Regierungen Ende Mai versprochen hatten: Damals war von Ende Juli die Rede gewesen.

Zum Amtsantritt des neuen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad am Mittwoch hat die iranische Führung angekündigt, noch am selben Tag einige Arbeiten in der Urankonvertierungsanlage Isfahan wieder aufzunehmen. Dort wird Rohuran, über das Iran in großen Mengen verfügt, in ein Gas umgewandelt, das als Grundlage der Urananreicherung dienen kann. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA forderte Teheran gestern auf, mit der Wiederaufnahme bis Mitte nächster Woche zu warten. So lange benötige man, um die erforderlichen zusätzlichen Überwachungsgeräte in Isfahan aufzustellen.

Die iranische Regierung hat am Montag offiziell angekündigt, »einige Teilarbeiten« in der Urankonvertierungsanlage Isfahan (USF) wieder aufzunehmen. Dort wird Rohuran in Gas umgewandelt, um später in Natanz angereichert zu werden. Schwach angereichertes Uran dient als Brennstoff in Atomkraftwerken; sehr hoch angereichert könnte es zur Waffenproduktion benutzt werden. Mit der ausdrücklichen Beschränkung auf »Teilarbeiten« in Isfahan – zu denken ist dabei zunächst an überfällige Sicherheitsüberprüfungen und Wartungsarbeiten – will Teheran ausdrücklich die Tür für weitere Verhandlungen mit dem EU-Trio Deutschland, Frankreich und Großbritannien offen halten. Iran hatte sich im November vorigen Jahres als Zeichen guten Willens bereit erklärt, für die Dauer der Verhandlungen mit dem EU-Trio alle Tätigkeiten in Isfahan und Natanz einzustellen.

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