Juni 2006


Heute scheint es, dass Washington in einer Hand Zuckerbrot und in der anderen Hand die Peitsche hält, indem es Iran bald die eine, bald die andere Hand zeigt.

Hans-Christof von Sponeck stand mehr als 30 Jahre lang in den Diensten der UNO und leitete ab 1998 das Programm »Öl für Lebensmittel« in Irak. Er trat aus Protest gegen die Sanktionspolitik und ihre katastrophalen Folgen für die Bevölkerung im Februar 2000 von seinem Amt zurück. Im malaysischen Kuala Lumpur nahm Sponeck letzte Woche (21./22. Juni 2006) an einem Forum der “Perdana Global Peace Organisation” teil, das zur Kriminalisierung des Krieges aufrief. ND-Autor Alois Leinweber befragte den ehemaligen Diplomaten.*

Vor einem Jahr, am 24. Juni 2005, gewann Mahmud Ahmadinedschad überraschend die Präsidentschaftswahlen in Iran. Mit 61,7 Prozent der Stimmen setzte er sich in der Stichwahl gegen den favorisierten früheren Staatschef Ali Akbar Haschemi Rafsandschani (35,9 Prozent) durch, der 35,9 Prozent erhielt. Angetreten war Ahmadinedschad mit der Parole »Wir haben die Islamische Revolution nicht gemacht, um die Demokratie in Iran einzuführen.«

Die Aggressivität der US-Kriegspolitik hat auch innerhalb der Linken Diskussionen ausgelöst, was die wesentlichen Triebfedern dieses Um-Sich-Schlagens sind. In diesem Kontext wird immer häufiger, auch im Hinblick auf die offensichtlichen Kriegsvorbereitungen gegen den Iran, die These vertreten, der „Krieg gegen den Terror“ sei im Kern nichts anderes als ein Kreuzzug zum Erhalt der Dollar-Hegemonie. Die Massenmedien versuchen dieses Thema entweder zu ignorieren, oder, wie der Spiegel (10.3.2006), ins Lächerliche zu ziehen. Es handele sich lediglich um eine „Legende“ verquaster Konspirationstheoretiker, sie sei „höflich gesagt, nicht plausibel.“ Zwar sollte man sich vor monokausalen Erklärungen hüten, es gibt aber dennoch triftige Gründe, die dafür sprechen dieser „Legende“ mehr Beachtung zu schenken.

Die Proliferation von Atomwaffen stoppen und Schritte zu deren Eliminierung einleiten – es gibt wohl kaum etwas Dringlicheres. Ein Scheitern hätte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit furchtbare Folgen – bis hin zur Beendigung des einzigen Experiments der Natur mit Wesen von höherer Intelligenz. Doch so bedrohlich die Krise auch sein mag, es gibt Mittel zu ihrer Lösung.

FREITAG: Könnte die Bereitschaft der US-Regierung, nun doch direkt mit Teheran zu verhandeln, letzten Endes den Durchbruch im Iran-Konflikt bringen?

MOHSSEN MASSARRAT: Ich sehe nichts dergleichen. Direkte Verhandlungen sind wichtig – noch wichtiger ist, dass die US-Regierung sich bewegt, sie macht jedoch nach wie vor Irans vollständigen Verzicht auf die Urananreicherung zur Vorbedingung eines direkten Gesprächs.

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