April 2007


Eine Analyse aus der Moskauer Hochschule für Physikingenieure über die Folgen eines US-Krieges gegen Iran

Es genügt, einen Blick auf die Landkarte zu werfen, um zu begreifen, dass ein militärischer Schlag gegen iranische Nuklearobjekte, den die USA nicht ausschließen, den südasiatischen „Krisenkreis“ schließen wird.

Zu diesen wird sicherlich auch das nukleare Zentrum in Isfahan gehören.

Doch ein Luftangriff auf diese Stadt kann nicht nur ökologische Probleme nach sich ziehen. Isfahan ist eine der größten Kulturmetropolen der islamischen Welt, und wenn die historischen Denkmäler in Mitleidenschaft gezogen werden, bricht nicht einfach nur ein iranisch-amerikanischer Skandal aus, sondern ein Konflikt zwischen der moslemischen Welt und den USA. Eine auf Stärke bauende Operation gegen Iran birgt demnach recht ernste negative politische Folgen für die USA in sich.

Nach dem Ende des Kalten Krieges bahnte sich ein globaler Unilateralismus der USA an. Die Amerikaner haben diesen Anspruch im Kuwait-, Jugoslawien- und schließlich im Irakkrieg mit ihrer geballten Militärmacht zu untermauern versucht. Doch ausgerechnet der wichtigste dieser Kriege, der Irakkrieg, ist eng mit einem Faktor verbunden, der den amerikanischen (und israelischen) Hegemonialanspruch im Nahen Osten akut herausfordert: dem Iran. Ohne die Kontrolle über die Energieressourcen aufrecht zu erhalten und ohne die militärische Überlegenheit Israels sind der Nahe Osten und mithin die ganzen Anstrengungen, einzige Supermacht zu bleiben, für die USA verloren.

Für die erforderliche Urananreicherung und die Herstellung einer Atombombe innerhalb eines Jahres reichen einige Tausend Zentrifugen. Ursprünglich sprachen die Iraner von ihren Plänen, deren Anzahl im Werk in Natans auf 3 000 zu bringen. Nach der Feier des “Tags der Nukleartechnogie” am 9. April erklärte Gholamreza Agazade, Irans Vizepräsident und Leiter der nationalen Atomenergiebehörde, geplant sei die Inbetriebnahme von 50 000 Zentrifugen.

Die Entspannung war nur von kurzer Dauer. Kaum hatte der Iran 15 inhaftierte britische Soldaten freigelassen, verkündete Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad am Ostermontag Neues vom Nuklearprogramm seines Landes. In der Atomfabrik Natans sagte der Politiker, sein Land könne nun Uran anreichern. Dies gilt allgemein als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Betrieb von Kernkraftwerken − und den Bau von Atombomben. Der Iran werde bestimmten westlichen Staaten nicht gestatten, diese Fähigkeit zu unterlaufen, so der Staatschef. Allerdings ist der Streit um Teherans Nuklearprogramm nicht der einzige Punkt, der zu Eskalation beiträgt. Auch an der ökonomoschen Front sind Prozesse im Gang, die den von russischen Geheimdiensten lange Zeit für Karfreitag prognostizierten Angriff der USA und Israels zu einem anderen Zeitpunkt möglich scheinen lassen.

Es überrascht nicht, dass George W. Bush die Truppenverstärkung im Irak trotz der eindeutigen Ablehnung durch die AmerikanerInnen und dem noch deutlicheren Widerstand der (vollständig bedeutungslosen) IrakerInnen ankündigte. Diese Ankündigung wurde von ominösen Informationslecks und Stellungnahmen – aus Washington und Bagdad – begleitet, wie iranische Eingriffe im Irak darauf abzielten, unser Ziel zu verhindern, den Sieg zu erringen. Ein Ziel, das (definitionsgemäss) über alle Zweifel erhaben ist. Darauf folgte eine ernsthafte Diskussion, ob Seriennummern von Bomben am Strassenrand auf eine iranische Herkunft hindeuteten; und falls ja, ob Verbindungen zu den Revolutionären Garden oder sogar einer höheren Instanz dieses Landes vorlägen.?

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